Das Unbewusste im Unternehmen

Situative Begegebenheiten in Organisationen können Ängste wecken, auf die mit psychosozialen Abwehrmechanismen reagiert wird. In der Regel verlaufen diese Reaktionsweise nicht bewusst, bieten Unternehmen oder Verwaltungen doch nur selten Ressourcen für Selbstreflexionsprozesse zur Verfügung an. Andererseits wird im Rahmen der Gesundheitsfürsorge in Unternehmen zunehmend Wert darauf gelegt, Beschäftigten in Seminarveranstaltungen, Workshops oder Employee Assistance Programmen (EAP) Möglichkeiten zu eröffnen, Unterstützung bei der Bewältigung schwieriger Situationen in Arbeit und Privatleben zu erhalten.

 

Häufig lassen sich auch in Organisationen Wiederholungsmuster beobachten, d.h. das wiederholte Auftreten ähnlicher Probleme oder Konfliktmuster, die das Primärziel einer Organisation empfindlich stören können. Strukturprobleme werden von den Betroffenen häufig auf der persönlichen Ebene ausgehandelt. Es kommt zu Reaktionsweisen, wie sie auf individueller Ebene gängig sind, dann auch in Organisationen: Spaltung, Projektion, Verleugnung, Rationalisierung u.a. Mögliche Folgen sind eine Verschleppung der Verantwortungsbereiche, Verzögerung von Entscheidungen oder das Festhalten an unbefriedigenden Kompromissen. Ein wichtiger Lösungsansatz bieten geschützte Gesprächsformate – mit dem Ziel des Aussprechens, Erinnerns und gemeinsamen Durcharbeitens. Hierdurch gelingt es, die Ängste, Sorgen und Wünsche der Mitarbeiter und Führungskräfte aufzunehmen und zu lösen, um zur aufgabenorientierten Arbeit zurückkehren zu können.

 

Eine analytische Arbeitsweise bezieht unbewusste Dynamiken in die Betrachtung von Konflikten und Strukturen in Organisationen ein. Insbesondere bei der Berücksichtigung von Widerständen zeigt sich regelmäßig, dass ihr Vorhandensein und ihre Motivation den Beteiligten nicht bewusst sind. Bewusstmachen führt jedoch nicht immer zur Überwindung von Widerständen, da diese oftmals mehrere Profiteure haben. Hier bietet sich die Einbeziehung aller Beteiligten an sowie der Einsatz von Containing, um Ängsten zu begegnen und dem Denken Kreativität und Freiheit zurückzugeben. Das gemeinsame Zuhören und Sprechen über die Situationen und die begleitenden Gefühle, Gedanken und Erinnerungen ist dabei Ausgangspunkt und Grundmethode auch in der psychoanalytischen Beratungstätigkeit in Organisationen.

 

 

Ziel sollte sein, gemeinsam alternative Wege zu finden und Veränderungsprozesse anzustoßen. Zwar mögen Organisationen kein Unbewusstes haben, jedoch gibt es ein mehr oder weniger ausgeprägtes Bewusstsein bei den Mitgliedern für ihre Beziehung zu einer Organisation. Hier liegen die Schlüssel für eine nachhaltige Organisationsentwicklung. 

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