Research

Suicide and the Workplace

Presentation at the ISPSO's Annual Meeting 2019 in New York

 

When in 2010 three Renault employees committed suicide in a short period of time, the working conditions in the engineering center of the car manufacturer came under the spotlight of the French authorities. They revealed that the men suffered from increased pressure in the workplace in the wake of a reorganization program. Also in 2010, a series of mysterious deaths brought the Taiwanese Apple supplier Foxconn into disrepute. But even at the management level, suicides are a regular occurrence. Shortly after the suicide of the former Swisscom boss, Carsten Schloter, in 2013, the chief financial officer of a Zurich insurance company, Pierre Wauthier, killed himself. In a farewell letter, the Frenchman Wauthier wrote of pressure from the comany’s board of directors. In early 2014, former German bank manager William Broeksmit hanged himself in his apartment in London. The list of manager suicides is endless and treated as a taboo issue. A lot depends on the working atmosphere in companies, however, suicide is always the endpoint of a bunch of events. Suicides can also trigger further suicides. In fact, suicide is in some ways contagious. What can a company do if confronted with suicide? In our presentation, we convey the contents of our management training “Suicide and the Workplace: How psychoanalytic coaching can help”. We talk about suicidality, suicide and suicide prevention, and discuss the emotional side of suicide, such as hopelessness, feelings of powerlessness, self-aggression and other affective states. Coaching by psychoanalytically trained coaches makes it possible to treat serious existential crises. We illustrate this with relevant psychoanalytic approaches and offer further thinking from Lacanian psychoanalysis: Freud’s thesis of a death drive in the context of the repetition phenomen, the passage-à-l’acte and the social band. We show practical ways of crisis intervention, affect-compensation and techniques such as containing and metaphorization for use in organizations. Special aspects, like suicide among older workers are discussed. Legal aspects are also taken up.

Drei Register des Wirklichkeitszugriffs 

Wie lassen sich imaginäre und affektive Aspekte des Lebens und Arbeitens in Organisationen begreiflich machen und als eine anwendungsorientierte, psychodynamische Beurteilungspraxis einsetzen? Mit Blick auf die Effektivität einer Beurteilungspraxis erscheint es sinnvoll, ein Instrumentarium zu entwickeln, das die Struktur des Subjekts in ihren Funktionsbeziehungen zu sich selbst und zur Umgebung beschreiben kann. Hierfür bieten sich die drei Kategorien des psychoanalytischen Feldes nach Jacques Lacan an: das Symbolische, das Imaginäre und das Reale. Sie sollen mit Blick auf eine praxisbezogene Anwendung im unternehmerischen Bereich bzw. als ein allgemeines erkenntnistheoretisches Modell für eine transdisziplinäre Verwendung erforscht werden. (Senarclens de Grancy 2017, Stimmen die Werte? Lacans Registertrias RSI als Bemessungspraxis in Organisationen. In: Wirtschaftspsychologie 4-2017, S. 60-67)

Bild Xavier Krilyk
Bild Xavier Krilyk

Forschungsprojekt: Die Rolle von Organisationsphantasien

 

In der modernen Teamarbeit werden häufig Fiktionen geschaffen – wie zum Beispiel diejenige, wonach in der hippen neuen Arbeitswelt die Mitarbeiter nicht wirklich miteinander konkurrieren oder jene Fiktion, der zufolge Arbeitnehmer und Vorgesetzte keine Gegenspieler sind. Was den Teilnehmern als Verbesserung verkauft wird, ist eigentlich eine Täuschung. Wem dienen sie? Anhand vorgetäuschter Gemeinschaften oder ähnlicher Fiktionen des Kooperierens werden in subtiler Weise Machtdiskurse organisiert. Sie führen häufig zu Einschlüssen des Denkens, Fühlens und Vorstellens. Wie beeinflussen sie unsere Fähigkeit, mit anderen zu kooperieren? Grosso modo lässt sich sagen, dass wiederkehrende Einbildungen vom Individuum keine Entscheidung für ein konkretes Objekt verlangen – zumal mit der Ungewissheit zukünftiger Befriedigungsmöglichkeiten. Vielmehr erlauben sie, in ihrem Genießen an frühe Formen der Befriedigungen fixiert bleiben zu können und Machtkämpfe und Konflikte zu leugnen. Das stärkt jedoch vor allem die Position derer an der Spitze. Das Forschungsprojekt untersucht anhand von Lacans Registermodell RSI sowie im Rückgriff auf das Konzept des Phantasmas als Angstabwehr, wie Phantasiewelten Individuen und Gruppen darauf beschränken, auf das Imaginäre fokussierte Identifikationsangebote zu schaffen und in der Folge Ausdrucksformen für ein verhindertes Genießen zu produzieren. Demgegenüber gilt es zu klären, wie Formen des Kooperierens und der Machtverteilung unter ethischen und zukunftsrelevanten Aspekten gelingen können.